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Eine kleine Entengeschichte

Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#1von Daisy » 1. Mai 2013, 23:05

Hallo Ihr
nachdem ja meine Kamera kaputt ist, heute aber sehr Interessantes mit meinem Entenpärchen passierte, habe ich dazu eine kleine Geschichte verfasst. Ich bin zwar literarisch nicht sehr bewandert, aber ich hoffe trotzdem, dass sie Euch ein bisserl unterhält.
Eine gute Nacht wünsche ich Euch. Petra



WAS, bitte, WAS ist DAS denn --------------- brrrr, schnatterschnatter, brrrrr !!!!
Bllll-bübbel-blubbel – was denn, Lieber – Bllll-blübbel-blub, was ist denn ?
Das schlanke Hälschen reckte sich fast zu Schwanenlänge und sie schüttelte kräftig ihr Köpfchen. Die grüne Grütze hatte gerade so gut gemundet und nun wurde sie aus ihren genüsslichen Köpfchen-unters-Wasser Exkursionen von seinem aufgeregten Geschnatter hoch geschreckt. Wenn das wieder nur einer seiner schlechte Laune Langweiligkeitsanfällen war, dann wird sie ihm jetzt wirklich mal richtig die Meinun gei..... Uhje, blübbel-blübbel, uhjeuhjeuhje – was machen DIE denn hier, das darf ja wohl nicht wahr sein! Ihre schönen braunen Äuglein verengten sich und zwinkerten aufgeregt. Fast so, als wollten sie das Erblickte einfach wieder weg klicken. Aber die Remote-Control funktionierte nicht: Dort, genau dort hinter dem Zaun, da d’rüben, wo er gerade voller Ärger hin und her rannte, da waren sie – dieses blöde Pärchen, das ihnen schon in Nürnberg am Wöhrder See so tierisch auf die Nerven gegangen war. Er, eher Gockel als Erpel, ohne jeglichen Anstand aber dafür mit umso mehr Selbstherrlichkeit. Und sie, ja sie erst, diese zickige, hinterlistige Schlange. Sie dachte: Unter denen, die von sich behaupten, aufrecht zu gehen auf ihren zwei Beinen und im Wasser eigenartige Bewegungen machen, um nicht zu ertrinken (wieso schwimmen sie eigentlich nicht ? Nun ja, fliegen können sie ja auch nicht) unter denen wäre er wohl so etwas wie ein verkrachter Sozio-Petack-Sonstwas und sie mit Sicherheit eine Psix, nö, Psüps, Pipps- ach ja, Psycho.....ohjeohjeohje, die wollen hier ‚rüber.... Schluß mit Kontemplieren, sie musste was tun....
Er war zwischenzeitlich völlig ausser sich, rannte plusternd und schnaubend und schnatternd am Zaun entlang – hinauf, hinunter, hinauf, hinunter. Sein Gefieder zitterte bis zur äussersten Spitze und so schnell sein Gang auch war, er war dennoch sicher, entschieden und kraftvoll. Sein Kopf reckte sich hoch um gleich darauf blitzschnell nach vorne zu schiessen wie ein kraftvoll geführter Degen. Fast hätte sie das Klirren des Degens sogar durch die Luft zischen hören, doch der Feigling auf der anderen Seite schnatterte gerade zurück und fing an, sich, wenn auch halbherzig, aufzubauen.
Doch ihr Don Quichote, ihr Robin Hood, ihr Richard Löwenherz – er war nicht zu beeindrucken von diesem gefiederten Waschlappen. Hach, was für ein Erpel... Sie schmachtete und schmolz dahin.
Eifrig watschelnd war sie zwischenzeitlich auf der entgegengesetzten Seite des Geschehens angekommen. Ernsthaft überlegen konnte sie nur beim Watscheln, doch trotzdem war ihr keine kluge Vorgehensweise ihrerseits eingefallen. Von hier aus konnte sie, dank ihrer Weitsichtigkeit, immer noch gut genug sehen. Und kraft ihrer genetischen Disposition und des unbeschädigten zweiten Chromosoms war sie ja auch multi-tasking-fähig. Etwas, was sie mal aus einem Gespräch zwischen zweien „die-von-sich-behaupten-aufrecht-zugehen“ überhört hatte. Sie hatte zwar damals geglaubt, das zu verstehen und es als eine im Grunde gute Eigenschaft eingestuft, aber allzu weit konnte es damit ja nun doch nicht her sein. Denn während des Schwärmens war ihr dennoch keine gute Lösung für die Situation eingefallen. Nichts, gar nichts, niente, nada, nothing, rien, nisch....
Plötzlich flatterte es, schnatterte es, raschelte es, zischte es – sie hoben ab, sie flogen über den Zaun, so flogen hier ‚rüber .... Schaaaaatttzzzz.....!!!! Und da war er, schon schoß er in die Höhe, zwei kräftige Flügelschläge, ein lautloser, gefährlicher, schneller Pfeil. Sie blickte nach oben, das Pärchen voller Angst schwerfällig, fast pumpend erhob es sich weiter zu den Baumwipfeln, er folgte ihnen, sie vor sich her treibend. Sie schaute ihnen nach und ohne weiter nachzudenken spannte sie die Beinchen, reckte den Hals und flog mutig zu ihm hin.

Eine Weile später landete er langsam in dem Teich, den er so erfolgreich verteidigt hatte. Hier gab es so viel Gutes und Schönes: Wasser, Ruhe, Bäume, hohes und niedriges Gras, Spinnen, Lurche, Wasserläufer, Schnecken en gros, und eine, „die-von-sich-behauptete-aufrecht-zu-gehen“ war zwar da, aber hielt ihren gebührenden Abstand. Sogar dieses schwarze fellige Vierbein, das wohl mal ein Wolf gewesen sein musste, liess ihnen ihre Ruhe. Das alles war er nicht gewillt gewesen, aufzugeben. Noch dazu an dieses Pseudo-Enten-Pärchen. Nun war er wieder hier, kühlte sich in dem schönen frischen Wasser und hielt Ausschau – wo war sie, wo war seine Ente? Dieses wundervolle, hübsche Wesen, die ihn zwar manchmal gehörig nervte, doch ohne die er sich sein Leben nicht vorstellen wollte. Als er hinter den beiden her jagte, hatte er sie hinter sich gespürt, sie hatte ihm helfen wollen, sie hatte ihn nicht im Stich gelassen.
Es hatte zwar noch ein wenig Gezeter und Geschreie gegeben, aber dieser Gockel-Erpel war eine Memme. Sie waren schliesslich in die Flucht geschlagen.
Als er sich dann nochmals nach ihr umgesehen hatte, war sie nicht mehr da. Sie war verschwunden, nirgends zu sehen.
So hatte er sich entschlossen, hierher zurück zu kehren. Sie würde bestimmt wissen, wo er war, wo er auf sie warten würde.
Besorgt sass er am Rand des Teichs, putzte nervös sein Gefieder und redete sich ein, dass sie gleich kommen würde, gleich. Sie WEISS wo ich bin, Sie MUSS es wissen. Oh, hoffentlich ist ihr nichts passiert. Dieses Knallen in die Luft hatte er nirgends gehört, so konnte er hoffen, dass sie nicht leblos auf die Erde gefallen war. Aber wenn sie denn falsch gelandet war, im falschen Augenblick auf einem dieser grauen, harten breiten Wege, auf denen so schwere Apparate wie blind in rasender Geschwindigkeit unterwegs waren – Langsam spürte er seine Nervosität in Panik umschlagen. Er wagte nicht mehr, aufzublicken aus Angst, seine Hoffnung würde abermals enttäuscht werden und er würde vielleicht nie wieder die Eleganz ihres Flügelschlags bewundern können. Diesen Teich zu verteidigen, war es das Wert gewesen ?
Sein Blick schweifte am Horizont des Teichs entlang, um sich herum nahm er nichts mehr wahr.
Bllll-bübbel-blubbel, Bllll-bübbel-blubbel-blub, Blllll – sie paddelte vor ihm am Teichrand, schaute zu ihm auf und verschlang genüsslich eine Schneck. Er lachte, er lachte laut vor Glück.
Daisy
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#2von Chica » 2. Mai 2013, 06:48

Hallo Petra,

wundervoll geschrieben! 5 Sterne
Die große Entenliebe! :doo

:thk

LG
Mara
Chica
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#3von Dietmar » 2. Mai 2013, 10:27

..auch von mir : Bild

LG
Di.
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Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#4von Zottelpudel » 2. Mai 2013, 16:48

Hey cool - von wegen nicht literarisch bewandert... :a007:
Zottelpudel
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#5von Dietmar » 2. Mai 2013, 19:49

.... ***SPAß ....

...also mit der angedachten Kamera-Objektivkombination .... wärs ein Leichtes ,
künftige Revierauseinandersetzungen der Watscheltiere in ne Bildergeschichte umzusetzen ....

Di. :01de6b1136:
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Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#6von Daisy » 3. Mai 2013, 07:51

Vielen Dank Euch, schön, dass das Geschichtchen gefallen hat.
Liebe Grüße.Petra
Daisy
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#7von Daisy » 16. Mai 2013, 21:56

Ich hatte ein Erlebnis, das ich gerne teilen möchte. Ich hätte das auch nicht in Bildern fest gehalten, aber wenn ich es hier einstelle, vielleicht denkt so einer oder anderer ein bisschen nach. Wieder in Prosa.
Wie gesagt, vielleicht --- Liebe Grüße Petra

Schnell noch ‚rüber, schnell, schnell, da ‚rüber .... Es quietschte nicht mal, kein Laut, nur weiter dieses dumpfe „brummmbrummmbrummmbrummm“. Und ich laufe und laufe, komme nicht weg und da kommt schon der nächste--- ich kann nicht weg---- oh Nein, warum kann ich nicht weg, ich laufe doch? So eine große weiße Maschine steht jetzt direkt vor mir --- und von daher kommt jetzt auch noch eine von denen, „die-von-sich-behaupten-aufrecht-zu-gehen“ auf mich zu gelaufen.
Mir wird so schwindelig und plötzlich werde ich unendlich müde, aber ich kann meine Augen nicht schließen – oh, ppfffpfffpfff, ich bin sooo müde. Die Träume kommen schon, obwohl ich doch noch wach bin. Ich werde zugedeckt, wieso werde ich zugedeckt? Plötzlich schwebe ich, es kommt Wärme durch die dunkle Decke, ich fühle Leben, aber es ist nicht meins.
Wie eigenartig, da ist Mama und der so große Baum, den ich mit Mama damals ‚runter laufen musste, und auch wieder hoch. Zuerst hatte ich Angst, aber dann hat es so viel Spaß gemacht. Ich rannte hin und her, über Wiesen, hüpfte in Sträucher und plumpste auf die Erde. Mama sagte, die Sträucher sind nicht fest genug, um mich zu halten. Ja, das war so, hatte ich ja selbst gemerkt. Aber Mama war immer besorgt um mich, so wie auch ich um meinen Kleinen. Was macht er jetzt, er braucht mich doch. Ich muss ihm zeigen wie man die Bäume hinauf und hinunter klettert, wie man fangen spielt mit anderen, wie man die richtigen von den falschen unterscheidet, wie man über diese grauen, harten breiten Wege, auf denen so schwere Apparate wie blind in rasender Geschwindigkeit fahren sicher auf die andere Seite kommt.... Oh Nein, Oh Nein, DAS ist passiert, mir ist das passiert, dass ich es nicht geschafft habe, ich habe es nicht bis ‚rüber geschafft. Aber ich bewege mich, obwohl ich nicht mal mehr meine Beine bewegen kann. Mein Herz klopft, ich spüre es doch. Aber wieso, wieso kann ich nicht zu meinem Kleinen, wenn mein Herz klopft, wieso spüre ich mein Leben nicht, wenn mein Herz klopft?
Ich höre diese Stimme von der, die mich zugedeckt hat: Halt durch, Kleines, halt durch, alles wird gut, hab’ keine Angst, Du musst nur durchhalten.
Es hat noch nie einer von denen, „die-von-sich-behaupten-aufrecht-zu-gehen“ mit mir geredet. Hätte ich auch nie zugelassen, die sind so gefährlich, so unberechenbar. Aber ich kann nicht weg, ich kann nicht zu meinem Kleinen. Ich kann ihm nichts mehr zeigen----
Ich schwebe wieder, die Decke ist über mir offen so wie meine Augen und doch träume ich wieder von Mama, von meinem Kindheitsbaum, meiner Kindheitswiese, die erste Nuss, die ich vergrub und wieder fand. Ich denke an meinen Kleinen. Er wird es auch ohne mich schaffen, komischerweise ist mir das plötzlich ganz gewiss. Ich spüre Wärme, aber nicht mehr meinen Körper, es sind wohl die Decke und die Hände die mich tragen und der Körper, an den ich gedrückt werde.
Von ganz weit höre ich einen anderen von denen „die-von-sich-behaupten-aufrecht-zugehen“: Nein, das ist ein Schädelbasisbruch. Die Äuglein sind offen, das macht mir echte Sorgen, das Herzchen schlägt zwar noch, aber nur ganz schwach. Laß ihn, da kann man nichts mehr machen.
Ganz weit weg ist die Stimme jetzt: Aber sie hat doch noch mit den Beinchen gerudert – und kaum nehme ich noch wahr: Sie ist ein Mädchen !
Ich muss lächeln: Ja, ich war ein Eichhörnchen-Mädchen.

Epilog
- Wo hast Du sie denn hin gelegt ?
- Hier, hinter den Baum an den Zaun vor Eurer Volière, dann ist sie nicht so alleine. Ich habe sie zugedeckt.
- Peter hat gesagt, Du willst die Kleine vergraben ?
- Ja, oder was meinst Du ? Ach, ich weiss nicht, was ist denn das Beste ? Mensch, was müssen die alle auch immer so rasen, völlig durch geknallt.
- Du, das geht schneller als Du denkst. So schnell kannst Du beim Fahren gar nicht reagieren.
- Aber ich sehe doch, wenn da was über die Strasse rennt, dann kann ich doch langsamer tun. Das muss das Auto genau vor mir gewesen sein. Ich habe noch kurz gedacht: Erlös es, fahr’ d’rüber. Aber sie hat mit den Beinchen gerudert. Ach, Sch...
- Ja, aber manchmal geht’s halt so rasend schnell mit den Eichhörnderln, so schnell kannst Du gar nicht reagieren. Also, ich würde es zum Fuchsbau bringen.
- Sie, sie war eine SIE. O.k. Du hast wohl Recht, das ist das Sinnvollste. Ihr Seelchen ist ja eh’ jetzt wo anders.
Daisy
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#8von Zottelpudel » 17. Mai 2013, 14:07

Ojeh - so schön geschrieben!

Zur Zeit liegen sehr viel überfahrene Tiere auf den Straßen!

Aber mir ist das auch schon passiert - ich bin eine Kurve im Stadtgebiet gefahren und auf einmal kam von rechts das Eichhörnchen aus dem Gestrüpp. Genau vors Auto, keine Chance, obwohl ich nicht mal 50 gefahren bin. Da es in der Rechts-Kurve bergauf war, ohne Seitenstreifen, konnte ich auch nicht anhalten und nachsehen, war ne ganz blöde Ecke. So etwas geht einem durch und durch... ich hab es in Gedanken um Verzeihung gebeten...
Zottelpudel
 

Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#9von Dietmar » 17. Mai 2013, 15:48

ja - ...mir iss es zwar noch nicht passiert (Glück gehabt) , aber die Rotpelze sind auf flachem Boden bei weitem nicht soo fix
als im Geäst von Bäumen ... sie haben einfach nicht die passende Anatomie für "Straßenrennen" ....

LG
Di.
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Re: Eine kleine Entengeschichte

Beitrag#10von Chica » 17. Mai 2013, 19:44

Moin,

bei uns werden sehr oft Enten überfahren, manche Autofahrer halten extra drauf :big_wut:
Eichhörnchen habe ich noch nicht auf der Straße gesehen! (überfahren)

LG
Mara
Chica
 

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