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Freiheit - geht das ?

Freiheit - geht das ?

Beitrag#1von Daisy » 1. Dez 2013, 12:11

Ein Erlebnis von heute Morgen, das ich gerne mit Euch teilen möchte, hat mich ganz schön zum Denken gebracht.

Im Grunde müsste man erst einmal definieren, was Freiheit ist - und ob es sie überhaupt wirklich gibt. Aber das ist müßig zu diskutieren; sicherlich gibt es Freiheit, aber in Grenzen ;-) Schon alleine aufgrund der Triebe.

Aber nun zu meinem Erlebnis:

Daisy ist heute ausgebüchst - ich hatte die Carport-Türe offen und sie hat sich so langsam 'raus geschlichen. Ich habe es bemerkt, sie aber gelassen - irgend etwas in mir wollte sie einfach mal "gehen" lassen.

Natürlich ist sie gleich rüber zu meinem Messi-Nachbarn gewackelt - da gibt es wohl unglaublich viel Interessantes - zuzüglich Katze Ronja.
Sie ist über die herum liegenden Rohre gestiefelt, über Berge von irgend welchem herumliegenden Zeugs - vielleicht Holz. Sie stand da erhöht, schaute zu mir als wollte sie sagen "Ich MUSS das jetzt ---- ich MUSS da jetzt weiter gehen, einfach weiter gehen" - und ich habe sie einfach gelassen, nur zurück geschaut und sie ziehen lassen. Eigenartigerweise war ich völlig ruhig und gelassen, und habe sogar so etwas wie Freude für sie empfunden. Ich dachte so bei mir - ja Weibi, geh' nur und tu, was Du halt tun musst. Ich gönn' es Dir von Herzen. Ich hatte überhaupt keine Angst um sie und es war mir klar, dass sie wieder kommt. Tja, dann war sie ausser Sicht. Nach einiger Zeit habe ich sie weiter weg bellen hören - sie war wohl schon ein ganzes Stück im Wald.
Und dann setzten die Gedanken ein: Was ist, wenn sie auf die Wiese läuft und da ist ein Hase und der rennt zur Strasse und sie hinterher ? Horror-Szenario 1.
Was ist, wenn sie wo hängen bleibt? Was ist, wenn sie umknickt und nicht mehr hoch kommt und zurück laufen kann? Was ist, was ist, was ist. Um Horror-Szenarien bin ich ja wohl nicht verlegen - Tja, soviel zu meiner EIGENEN Freiheit ---- Ich konnte mich aber beruhigen, zog aber trotzdem Schuhe und Anorak an - habe mir die Freiheit genommen, bei der nächsten Panik-Attacke einfach los laufen zu können :-)
Da hörte ich eine Autotür knallen, irgendwo im Waldstück oberhalb von mir . Das war's, ich bin Daisy-schreiend los gerannt quer durchs Unterholz. Ihren Namen habe ich nur geschrien, weil ich signalisieren wollte - Hey, ich suche gerade meinen Hund, nicht einpacken und weg fahren....

Irgend wann bellte sie zurück - aus der Richtung von zu Hause. Sie hat sozusagen auf mein Geschrei geantwortet. Als ich das hörte, wurde ich wieder ruhig, habe mich irgendwie auf den Weg durch gewurschtelt und bin aussen herum zurück zum Haus. Da war sie aber nicht vor der Türe, Nein. Sie hatte sich "versteckt" hinter einem Mauervorsprung des Nachbarn und als sie mich sah kam sie angeschossen wie ein Blitzefeil, ist hin und her gerannt und gesprungen wie ein Geisbock - Freude pur. Und völlig ausser Atem hinein ins Haus und ab auf die Decke - jetzt schläft sie.

Sie war nicht lange alleine weg - vielleicht eine Viertelstunde.

Nun, was mich dabei aber beschäftigt sind zwar ganz viele Dinge aber vorwiegend der Gedanke, dass ich Angst vor den Menschen habe, die ihr etwas tun könnten, keine Angst vor dem, was ihr da im Wald mit anderen Tieren passieren könnte. Das wäre halt eben Natur; aber der Mensch, der macht mir Angst in Zusammenhang damit, was ihm alles einfällt, wenn er einen alleine herum stromernden Hund ohne Halsband sieht. Ich lasse mal die "Rücksichts-Gedanken" gegenüber dem Menschen weg (dazu habe ich zwischenzeitlich ehrlich gesagt eh' keine Lust mehr);

Ich denke einfach nur: Wieso kann es einem Tier nicht offen zugestanden werden, dass es halt einfach mal das tut, was es will. Ohne menschliche Regularien? Ich meine damit nicht ständig und immer und überall.

Aber doch, vor allem in solchen Gegenden, in denen ich wohne: Türe auf und geh', stöber, mach was Du willst, lebe mal ein Stückchen Freiheit...
Daisy
 

Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#2von Dietmar » 1. Dez 2013, 13:01

....interessantes Thema, Petra,
in meinen Augen allerdings eher in der Theorie behandelbar. - Die Praxis spricht eindeutig gegen hundliche Freiheitsrechte,
sowohl , was Rechtslage , gesellschaftlichen common sense , als auch die meist technisch bedingte Gefahrenlage betrifft.
Hinzu kommt, dass der Drang, sich solche Ausflüge mal zu gönnen, sehr unterschiedlich in der Hundwelt verteilt ist. UND,
dass unseren HEUTIGEN (!) Populationen die Sicherheit (bei Mensch und Hund) stiftende GEWOHNHEIT solcher Ausflüge
völlig fehlt. "FRÜHER" (zB als ich Kind war) wars aufm Dorf völlig normal, dass potenziell ungefährliche Hunde da frei herumliefen
und auch mal Grenzen überschritten . (Ein Haushund (!), dem Du dauernd solche Freiheit GIBST, grenzt sich nach einiger Zeit
und in aller Regel SELBST wieder auf "sein Revier" ein ...., unbegrenzte Freiheit kennen Hunde nicht, sonst wären sie keine Hunde.

Das Thema Rüde/Hündin ...intakt oder kastriert ... Alter ...Vitalitätsgrad ..... Rasse ....spielt nat. auch ne Rolle.

Di.
Zuletzt geändert von Dietmar am 1. Dez 2013, 19:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#3von Daisy » 1. Dez 2013, 18:50

Dietmar hat geschrieben: ...., unbegrenzte Freiheit kennen Hunde nicht, sonst wären sie keine Hunde.



Unbegrenzte Freiheit kennt keiner - die gibt es nicht.
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Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#4von Dietmar » 1. Dez 2013, 19:03

...na ja .... ein gewisser Ferntourismus ist den Wölfen jedenfalls naturgemäß nicht ganz fremd ....
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Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#5von Zottelpudel » 2. Dez 2013, 00:22

Ich finde das toll, daß Du das gemacht hast! Und ich kenne das, daß man so hin- und her gerissen ist... blöde Umwelt (menschliche).
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Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#6von Chica » 2. Dez 2013, 08:51

:moi :moi

Freiheit, immer die Möglichkeit haben, zu entscheiden was man will..... für Hunde in der heutigen Zeit fast unmöglich.
Allerdings haben Hunde und Menschen auch ein anderes Bedürfniss oder Verständnis von (nach) Freiheit.

Daisy ist eine Runde gelaufen, mein Herdenschutzhund damals hätte ihr Revier abgesteckt, die meisten, so denke ich, würden eine Spur aufnehmen und ..... jagen gehen....

Ich habe immer gesagt, je besser mein Hund hört, desto mehr Freiheit kann ich ihm gönnen!

LG
Mara
Chica
 

Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#7von Daisy » 2. Dez 2013, 21:00

Grenzenlose Freiheit - und das ist, was ich kommentiert hatte - kennen auch die Wölfe nicht - auch sie sind getrieben: entweder vom Hunger, vom sich vermehren wollen usf.

Tja, so ist das mit dem Herumstromern. Antje, ich gebe Dir völlig Recht - die Angst, die das Zugestehen eines solch kleinen Freiraums - nennen wir es mal so - begleitet ist von dem, auf welche blöden Ideen Menschen kommen könnten, wenn sie einen frei laufenden Hund sehen.
Daisy
 

Re: Freiheit - geht das ?

Beitrag#8von Zottelpudel » 3. Dez 2013, 15:10

Das paßt vielleicht hier mit rein:

Also - Xixxies Züchterin hat mir vor einiger Zeit schon mal von einem Seminar erzählt, das sie mitgemacht hatte "Rudelführung" oder so ähnlich. Sie hat ja nun schon ewig immer mehrere Hunde, die auch gut erzogen sind und hören, aber ist wohl noch immer offen für anderes. Zumal die eine Junghündin, die sie hat, ein ganz schöner Feger ist und es ihr nicht leicht machte.
Sie erzählte mir damals ein paar Ansätze und für mich klang das ganz gut und bei WahWah hat es auch ganz schön geholfen, wie ich am WE feststellte.

Sehr offensichtlich war es bei einem anderen Züchter, der auch mit drei Briards dabei war. Beim Spaziergang liefen alle drei ohne Leine ganz entspannt meist hinter ihm oder an seiner Seite. Gingen sie vor, gab er ruhig Anweisung und sie kamen wieder zurück. Ich überlegte, ob das schon immer so war und fragte dann mal nach.
Er war auch bei diesem Seminar und hatte diesen Erfolg innerhalb eines Tages - natürlich muß man dann dranbleiben. Aber es war erstaunlich.
Er meinte, als erstes mußte er sich ändern, er war immer zu aufgeregt. Dann macht man viel mit Körpersprache und achtet darauf, oder gibt sich erst zufrieden, wenn Hund entspannt läuft, also Kopf und Rute unten.

Es war jedenfalls so verblüffend - war so richtig toll, das zu sehen. Sicher gibt es auch da kontroverse Meinungen, aber ich fand es gut!

Xixxie hat ja nun auch entdeckt, daß es manchmal gut riecht und wegflitzen Spaß macht. Sie kommt sofort wieder, aber ich möchte nicht, daß sie das ausweitet. Heute kamen zwei Rehe ganz nah vor uns über den Weg gerannt. Die beiden haben gerade gespielt und es nicht mitbekommen. Spätestens beim Kreuzen der Spur wären wohl beide erst mal weggewesen. Sonst hatte ich ja nur Ayk an der Flex. Also Ayk an die Flex, Xixxie an den Bauchgurt. Da mußte sie dann die ganze Zeit laufen. Wenn sie zog, bin ich stehengeblieben und hab gewartet, bis sie zu mir kam. Ging natürlich dadurch sehr langsam vorwärts.
Abe rich hoffe, es bringt was. Hat sie zu sehr gegeiert, hab ich auch mal ins Fell gezwackt...

Ach ja, hier ein wie ich finde sehr guter Artikel, hat der Kuhhund-Mensch im fb gezeigt: http://connectwithyourk9.com/a/

Paßt irgendwie auch dazu. Ich kann nicht soo gut englisch, habs im Google-Übersetzer gelesen...
Zottelpudel
 


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