Aktuelle Zeit: 18. Dez 2018, 22:07

Der GRIFF des Hütehundes

Der GRIFF des Hütehundes

Beitrag#1von huetefuchs » 26. Mai 2012, 12:30

Hallo,
damit man nicht denkt, ich würde mir nun um die Spezialitäten der Hütehunde überhaupt keine Gedanken mehr machen,
will ich mal IN KÜRZE eine Theorie in den virtuellen Raum stellen. OB das vorher schon mal so gesehen wurde und ob es vor mir schon
mal jemand öffentlich formuliert hat, weiß ich nicht ; auf die Schnelle habe ich jedenfalls nichts dazu gefunden.

Es geht mir darum , MIR selber plausibel zu machen, wie es zu den unterschiedlichen GriffARTEN (Rippen-, Keulen oder Nackengriff) kommt,
beziehungsweise wie man sich diese unterschiedlichen Griffansatzpunkte aus dem Lebenszusammenhang des Hundes als Raubtier erklären kann
oder könnte.

Mir fallen auf Anhieb zumindest 3 Erklärungsvarianten dazu ein :


(IN ALLER KÜRZE !)

1) Es handelt sich um Verhaltensmuster die nur den hütenden Hunden zu eigen sind. - Irgendwann früher einmal erkannt und als nützlich
(weil schadlos) befunden , wurde gezielt auf dieses Merkmal hin selektiert und das Merkmal damit in bestimmten Linien verfestigt.


2) Es handelt sich um in jedem Hund (noch mehr oder weniger) vorhandene "Restbestände" jagdlichen Verhaltensursprungs. Der hütende Hund
"beißt" schlichtweg da HIN , wo es ihm entweder durch die eigene Körpergröße (ein kleiner Hund setzt tiefer an als ein großer) ODER aber durch
die Beschaffenheit des Hüteviehs quasi vorgegeben wird (ein in voller Wolle stehendes Merino ist im Rippenbereich nun wahrlich schon aufgrund seiner
"Rundung" schwierig zu greifen). - Der Hund packt also DORT zu , wo es ihm am "passendsten" - man kann auch sagen, am "bequemsten"
erscheint.


Beide obigen Erklärmodelle tun sich zumindest schwer damit, die Abweichungen (die Ausnahmen also) vom Erwarteten hinreichend abzudecken. - Auch , wenn mir
die Variante 2 recht sympathisch ist (,das war übrigens auch Helmuts Ansatz,) will ich eine dritte Möglichkeit anbieten:

3) Ein Wolfs- oder Wildhunderudel auf der Jagd ist in aller Regel keine homogene und mit identischen Fähigkeiten ausgestatte Jagdgesellschaft.
Es gibt Alters- und LeistungsUNTERSCHIEDE unter den Individuen - die Tiere unterscheiden sich in Körperbau , Konstitution ... aber AUCH im
Charakter (!) ...es gibt Mutige , Draufgängerische , und es gibt die eher Vorsichtigen , die "Strategen" .... es gibt die, denen die eigene
Sicherheit höher steht als der schnelle Erfolg.
DIESE WESENS-Differenzen werden sich auch aufgrund natürlicher Selektion (!) vererbt haben. SIE stecken also über die Jahrtausende hinweg
auch noch in unseren heutigen Hunden - also auch in unseren HÜTEhunden.
Für mich macht es sehr wohl einen Unterschied, ob ein Hund im Nacken oder etwa am hinteren Ende in eine Keule greift. Das sind zwei Paar
Schuhe -. Der Griff in den Nacken ...auch wenn er mittlerweile mehr oder minder zum "Ritual" abgeschwächt , also als "Scheinangriff" fungiert,
geht auf jeden Fall ZURÜCK auf den finalen, und damit tödlichen Angriff eines Raubtiers auf seine Beute. - Man würde dies sehr deutlich sehen,
wenn statt wolliger Schafe zum Beispiel Rehe (oder andere kurzhaarigen Tiere) "gehütet" WÜRDEN.
Demgegenüber ist der Keulengriff "arbeitsteilig" gesehen quasi der Versuch des untergeordneten Räubers , die Beute zu schwächen, zu stellen,
sie dem finalen "Reißer" "griff"günstig zu platzieren. Dem dient m. E. auch der Griff in die schmerzempfindliche Endregion von Rippenbögen und
Bauchansatz.
Kurz gefasst ... die URSPRÜNGE der unterschiedlichen Griffarten KÖNNEN auch aus den unterschiedlichen , weil arbeitsteilig organisierten Hierarchiestufen
innerhalb jagender Wildhunderudel erklärt werden.

Dass wir es mittlerweile bei Hütehunden mit zu Scheinattacken ritualisierten Verhaltensweisen zu tun haben , schließt übrigens nicht aus ,
dass auch in ihnen bisweilen noch "der alte Wolf" LEBT .....

Dietmar
Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig:
Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.
A. Einstein 1879-1955

live is live - and life is good !
Benutzeravatar
huetefuchs
Forum Admin
 
Beiträge: 4602
Registriert: 12.2010
Wohnort: Niedersachsen (Nordheide) Nähe HH
Geschlecht: männlich

Re: Der GRIFF des Hütehundes

Beitrag#2von Daisy » 22. Aug 2012, 18:35

Hallo Dietmar

ich finde diese Erklärungen sehr interessant. Was mich beschäftigt, ist, daß ja (soweit ich es verstehe) jede Griffart des Hütehundes am Anfang aller Tage - also ursprünglich, im Sinne des Wortes - dazu diente, die Beute zu schwächen und zu töten. Dies tun Hütehunde (denke ich mal...) nicht und wenn ja, sind sie - so nehme ich an - die längste Zeit Hütehund gewesen. Sie nutzen den Griff zum "Regulieren" (oder?), also das Vieh zu steuern und zusammen zu halten. Somit ist dieser Griff eine "manipulierte" Umformung des eigentlichen Triebs, der diesen Griff im Grunde verursacht, nämlich etwas zum Futtern zu haben (?) - Gut, ein bisschen kompliziert formuliert, aber es beschäftigt mich schon lange die Frage, WAS ist eigentlich ein Hund (in diesem Fall wirklich, jede Art/Rasse von Hund). Daß ein Hund KEIN Wolf ist, ist klar. Jedoch stammt er vom Wolf ab (ich glaube, darüber sind sich inzwischen alle einig). Somit hat er in meinen Augen auch ein Recht darauf, unter Berücksichtigung dieser Abstammung behandelt und akzeptiert zu werden. Und für mich - soweit ich es halt weiß - ist der Altdeutsche Hütehund noch der, der das am meisten "darf". Aber ich habe den Eindruck, daß viele Menschen zwar einen Hund haben, aber im Grunde einen befellten Roboter wollen. Und mein Eindruck ist auch, daß genau in diese Richtung gezüchtet wird. Ist dies bei den Altdeutschen auch ein Aspekt? Beste Grüße. Petra
Daisy
 


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast




cron